Pasta con Giorgio

Er hatte es sich gemütlich gemacht in seinem Restaurant, in seinem Wohnzimmer. Bevölkert war es mit bekannten und unbekannten Gesichtern der Stadt. Er gehört zu den Letzteren und fühlte sich wohl dabei. Ihm gefiel die Atmosphäre, die Wärme, die Geräuschkulisse der Gespräche, die wie Rauschen an sein Ohr drang. Wortfetzen nur. Mal Bestellungen, mal Komplimente für das Essen.

Lange Zeit hatte es sich versteckt, das Restaurant, das nun sein Restaurant geworden war, in einer Seitenstrasse, hinter dem grossen Marktplatz der Stadt. Gleich neben einer Metzgerei, in der man das beste Hirschentrecote bekommen konnte. Zumindest hatte er das gehört, von einem, der vom Gastgeber - seinem Gastgeber - an seinen Tisch gesetzt worden war. Sorgfältig ausgewählt und geschickt kombiniert. Interessante Gespräche entspannen sich aus diesen zufälligen Begegnungen. Freundschaften. Alles begann beim Essen und über das Essen: Mal wurde über die Spaghetti alla carbonara philosophiert, ob sie genauso so gut wie in Rom oder gar noch besser waren, mal über das Tagliata di manzo gefachsimpelt. Einig war man sich: Es war das zarteste überhaupt. Und hätte man sich getraut, dann wäre einem ein lautes „Oh“ über die Lippen gekommen. Ein guter Rotwein tat es auch.

So kam er jeden Tag in dieses kleine Restaurant. In sein Restaurant.

Sie stand am Treppenabsatz, ihrer Spanischen Treppe und wusste nicht recht, sollte sie nun oder nicht. Ein flüchtiger Bekannter hatte ihr das Restaurant empfohlen. Sie war ja gerade aus Rom zurückgekehrt und da wäre dies doch ein schöner Ort, um in Erinnerungen einzutauchen.

Aus dem 1. Stock, in dem das Restaurant seine Heimat gefunden hatte, als Aussenposten der Ewigen Stadt, zumindest kulinarisch, drang dieses Rauschen, das Rauschen angeregter Gespräche. Sie liebte das und beschloss, dass sie das Restaurant auch lieben wird.

So ging sie die Treppen hoch. Voller Erwartungen.

Der Gastgeber empfing sie selbst, ganz Italiener und setzte sie gleich neben ihm an einen Tisch.

Er war gerade beim Primi, dieses Mal die Spaghetti all‘ amatricana, genoss den echten römischen Guanciale Speck und die Süsse der Sugo, als die Frau – eine Dame? - die gerade neben ihm Platz genommen hatte, aufsprang und ihn mit einer herzlichen Umarmung begrüsste. Giorgio, rief sie, Giorgio, wiederholte sie, um sicher zu gehen, dass er es auch war. Er konnte sich dieses Ansturms nicht erwehren. Warum auch?

Ihm gefiel der Name sofort. Giorgio, das klang so weltmännisch, weit gereist und so italienisch. Giorgio, wiederholte sie noch einmal. Er hörte sie von Zufall reden, vom Wink des Schicksals und dass sie dieses Restaurant gleich liebte. Sie setzte sich ihm gegenüber, ungefragt, aber das machte ihm nichts, auch nicht, dass sie sofort mit einer Gabel ein, zwei Bissen seiner Spaghetti nahm. Nur zum Probieren, entschuldigte sie sich halblaut mit vollem Mund.

Er sah ihre dunklen Augen, ihre roten Lippen, ihre weiche Haut, ihr Lächeln.

Giorgio, wiederholte sie noch einmal, ist das denn möglich. Bist du es wirklich?

Giorgio war da. Sass ihr gegenüber.

Und Giorgio bestellte Prosecco und hörte ihr zu. Hörte: - wie lange ist es her? – ein, zwei Jahre. Nein, noch länger bestimmt. Weisst du noch, in Rom, Giorgio, an der Spanischen Treppe und dann bei Dino e Toni. Sie kam näher, beugte sich zu ihm, flüsterte: - und die Nacht im Hotel.

Er sah wieder auf ihren roten Mund, der zu einem flirrenden, flatternden Schmetterling wurde.

Ja, antwortete ihr Giorgio.

Giorgio, das war nun sein Mantel und er passt ihm gut, dieser Mantel, wärmte ihn.

Sie legte ihre Hand auf seine. Eine zarte Berührung. Erinnerst du dich?
Ja, antwortete ihr Giorgio. Der Mantel passte ihm immer besser.
Hotel Della Minerva, nahe der Treppe, gleich beim Pantheon, hörte er sie wieder sagen. Ihre Augen wurden graugrün und er sah nun ihre goldene Brosche, die eine Eule darstellte. Du erinnerst dich bestimmt.
Ja, antwortete ihr Giorgio und erinnerte sich.

Béla Riethausen, 2014

Öffnungszeiten

Mo   Ruhetag
Di   11.30 - 14.00 // 18.30 - 23.00
Mi   11.30 - 14.00 // 18.30 - 23.00
Do   11.30 - 14.00 // 18.30 - 23.00
Fr   11.30 - 14.00 // 18.30 - 23.00
Sa   12.00 - 14.30 // 19.00 - 23.00
So   Ruhetag



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aroma
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CH - 4001 Basel

Tel.: 061 261 32 61



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